Geistliches Testament von Sidi Hajj Abbas

Sidi al-Hajj al-Abbas, Führer der Tariqa Qadiriya Boutchichiya von 1960 bis 1972

Sidi al-Hajj al-ʿAbbas, geboren 1890, war der geistige Führer der Tariqa Qadiriya Boutchichiya von 1960 bis 1972. Sohn von Hajj Mokhtar al-Qadiri Boudchich, einem bedeutenden Widerstandskämpfer gegen die französische Invasion im Osten Marokkos, wurde er zugleich mit seinem Sohn Sidi Hamza der Schüler von Sidi Abou Madyan al-Qadiri Boudchich, ihrem Cousin.

Von einem tiefen geistigen Verlangen beseelt, suchte Sidi al-ʿAbbas einen Meister, der ihm entsprechen konnte. Dem Rat eines „in Gott Entrückten“ folgend, bei dem er mit 17 Jahren geistige Führung gesucht hatte, wartete er 35 Jahre, bis dieser Meister 1942 an seine Tür klopfte.

Sidi al-ʿAbbas folgte der geistigen Unterweisung Sidi Abou Madyans bis zu dessen Tod 1957. Von seinem Meister als Nachfolger designiert, hielt Sidi al-ʿAbbas, der sich dieser Aufgabe unwürdig fühlte, den Willen Sidi Abou Madyans lieber geheim. Erst 1960 willigte er ein, den Schülern der Bruderschaft dieses Erbe zu enthüllen und die geistige Leitung der Tariqa Qadiriya Boutchichiya zu übernehmen. Bei seinem Tod 1972 übertrug Sidi Hajj al-ʿAbbas diese Leitung auf seinen Sohn Sidi Hamza. Diese geistige Übertragung war Gegenstand eines Testaments, in dem Sidi al-ʿAbbas an die Grundlagen und Ziele des Weges erinnert. Der Text ist im Folgenden wiedergegeben.

Die Bürde des Weges

Vom Diener, demütig vor seinem Herrn, dem Armen, dem Bedürftigen, al Hajj al Abbas al Qadiri al Boutchichi, an seine Kinder und seine Brüder in Gott.

Ihr wisst, dass ich das Schweigen liebe und dass meine bescheidene Natur mich dazu treibt, nicht viel zu sprechen.

Es bleibt dennoch, dass ihr euch eine gewisse Zahl von Fragen stellt, die eine Ergänzung an Ratschlägen und Erklärungen verdienen, zu dieser Verantwortung, die die göttliche Vorsehung mir vor einigen Jahren anvertraut hat.

Meine Kinder, meine Brüder in Gott:

Ihr habt aus unseren früheren Gesprächen verstanden, dass der Sufi-Weg, dem unsere Vorfahren seit anderthalb Jahrhunderten folgen, der qadrische Weg ist, der eine Gnade unter den Gnaden des Gotteserkenners ist, des mit dem göttlichen Geheimnis Erzogenen, dessen, der vom Beistand des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) profitiert, der unser höchster Großvater ist, unser Meister Abd el-Qadir al-Jilani; möge Gott uns an seiner Gnade teilhaben lassen.

Ihr wisst vielleicht, dass ich zu der Zeit, als das Schicksal mich unter den Mitgliedern der Familie dazu führen sollte, die Verantwortung zu übernehmen, den Weg unserer Vorfahren fortzuführen, noch in die Angelegenheiten dieser Welt vertieft war und in der Landwirtschaft arbeitete.

Wahrlich, die Sorgen des Lebens haben mich daran gehindert, meinen Wunsch zu stillen, in jungen Jahren die religiösen Wissenschaften zu studieren. Ich begnügte mich damit, die obligatorischen Vorschriften der Scharīʿa zu kennen und den Koran zu lesen. Gott sei Dank war es mir nicht versagt, die Schönheit der Verse und der Hadithe zu verstehen, die Lebensweise des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) zu kennen, sein Verhalten und die Zustände seiner Gefährten, ebenso die Taten und Worte der Heiligen.

Ihr werdet verstehen, dass ich niemand bin, der sich rühmt, noch ein Gelehrter, der sich eine Fatwa erlauben könnte, noch gar einer, der die Menschen im Licht des Buches und der Sunna führen kann: Das ist die Arbeit der Gelehrten, die auf das Studium der Texte spezialisiert sind und sich über ihre Analyse beugen. Meine Beziehung zu euch ist eine geistige und erzieherische Beziehung, begründet auf die Gemeinschaft und die Liebe Gottes, auf das Sich-Versammeln, um Ihn anzurufen und sich Seinen Gnaden auszusetzen, das brennende Verlangen, Ihn zu erkennen, auf die Großzügigkeit mit dem Beistand des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm), und dies, um nach der Reinheit des Herzens zu streben, nach der Stärkung des Wesens und seiner Erhellung durch das Licht des Glaubens und nach allem, was daraus an geistiger Praxis, Erziehung und Verhalten folgt; denn wenn das Innere eines Wesens rein ist, strahlt das auf das Äußere aus.

Nach einem Hadith des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) nämlich: „Es gibt einen Teil des Körpers, der, wenn er gesund ist, den ganzen Körper gesund macht, und wenn er verdorben ist, den ganzen Körper verdirbt: Dieser Teil ist das Herz.“ Nur für diese edle Sache muss der aufrichtige Diener seinen Willen stärken und sich Gott zuwenden, ohne zu ergründen suchen, was Er für ihn gewählt hat.

Die Nachfolge Sidi Abou Madyans

Gott und Seine Engel sind mir Zeugen, dass mir an dem Tag, als ich zu meinem Scheich und geistigen Vater Sidi Abou Madyan kam, die Barmherzigkeit Gottes sei auf ihm, nicht einen Augenblick in den Sinn kam, ich könne eines Tages würdig sein, sein Geheimnis zu erben und ihm nachzufolgen. Ich war aufrichtig zu ihm gekommen, indem ich ihm die Zügel meiner Seele anvertraute, damit er mir helfe, ihre Wirklichkeit zu erkennen, und damit er den Schleier wegnehme, der den Diener von seinem Herrn trennt.

Doch die Schleier werden nicht so leicht abgenommen: Dazu ist es unerlässlich, eine aufrichtige Absicht zu haben und von einem authentischen Meister erzogen zu werden. Dass ich mich auf dem qadrischen Weg befand, dem Weg meiner Vorfahren, und dass ich einen Gottesmann zum Vater gehabt hatte, hat mich nicht daran gehindert, einen Erzieher der Seelen begegnen zu wollen, in dem Wissen, dass es das einzige Mittel ist, sein Verhalten zu verwandeln und sich allmählich Gott zu nähern. Mein Ururgroßvater war darin ein gutes Beispiel: Gott öffnete ihm das Herz, indem Er ihn denselben Weg wie mich gehen ließ, und er vertraute seine Seele einem großen Scheich seiner Zeit an, obwohl er selbst einer Sufi- und qadrischen Familie angehörte. So gelangte er durch die Gnade Gottes zu dem Grad, auf dem es ihm erlaubt war, den höchsten Namen (ism al-aʿẓam) anzurufen, dann wurde er seinerseits Scheich. Einige Zeit vor seinem Tod riet er seinem Sohn, die Praxis des Weges und die Anrufung des höchsten Namens aufzugeben und zum „tabarruk“-Weg zurückzukehren, da dieser den maqām der geistigen Erziehung nicht erreicht hatte. Man kann so im Licht dieser Geschichte feststellen, dass man, bevor man geistig erziehen kann, zuerst den maqām erreicht haben muss, der uns die Anrufung des „ism“ (Allah) erlaubt. Die geistigen Meister haben jenen ihrer Schüler, die das Ziel noch nicht erreicht hatten, immer geraten, ihren Spuren zu folgen und sich nach ihrem Tod von ihrem Verhalten leiten zu lassen. Aus demselben Grund rate ich euch, dem zu folgen, der nach mir kommen wird (nach meinem Tod), damit euer nafs euch nicht in der Mitte eines so guten Weges aufhalte: Denn wer seinen Herrn aufrichtig sucht, sucht ihn überall und hofft, ihn zuerst bei denen zu erkennen, denen sich die Gnade Gottes offenbart.

Ja, ich habe Sidi Abou Madyan, die Gnade Gottes sei auf ihm, in Aufrichtigkeit und Treue begleitet, ohne den Schatten eines Interesses oder einer Erwartung. Ich fand meine (ursprüngliche) Seele und den Frieden in seiner Gesellschaft, denn ich liebte ihn, ich liebte ihn wie meinen Vater oder noch mehr. Ich erinnere mich nicht, ihm ungehorsam gewesen zu sein oder seine Ratschläge leicht genommen zu haben. Unter seinen Eigenschaften waren die Demut zu vermerken und die Tatsache, sich mit dem zu begnügen, was er hatte; sein Verhalten gründete auf der Sunna, und er war bei allen bekannt für seine Unnachgiebigkeit gegenüber jeder Abweichung von der Scharīʿa, deren Zeuge er wurde. Er duldete nicht, dass seine Schüler die Pflichten der Religion mit Trägheit angingen oder sich vom Verhalten des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) entfernten.

Ich will euch nicht verbergen, dass das wichtigste Gespräch, das wir führten, stattfand, als er mir auftrug, ihm nach seinem Tod nachzufolgen. Er war ein Erzieher der Seelen, die nach einer Zeit der inneren Klärung rein geworden waren, infolge der Praxis des höchsten Namens Allahs, wie sie im Koran und in der Sunna angeraten wird, ohne Maß und ohne Zahl. Es handelt sich um eine majestätische Station, die nur die Schüler erreichen, die einen hohen maqām haben, insbesondere die Diener Gottes, die Heiligen. All das betrifft die, die ihr Leben dem Koran und der Sunna geweiht haben und die danach streben, sich nach der Lebensweise des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) und seiner Gefährten zu verhalten. Dagegen müssen die, deren Absicht verdorben ist, die an dieser Art von maqām zweifeln und die nicht des göttlichen Beistands genossen haben, zuerst daran arbeiten, ihre Seelen zu heilen und gegen die entgegengesetzten Einflüsse zu kämpfen.

Die wichtigste Aussprache, die ich mit Sidi Abou Madyan hatte, fand am Ende seines Lebens statt, als er mich zu seinem Nachfolger bestimmte. Ich entschuldigte mich damals und nannte die, die meines Erachtens geeigneter waren, diese Aufgabe zu erfüllen. Er sagte mir dann: „Du wirst diese Mission wollen oder nicht auf dich nehmen“; ich schwieg aus Ehrerbietung.

Nach dem Tod Sidi Abou Madyans (die Gnade Gottes sei auf ihm) im Jahr 1957 wusste niemand, wer ihm nachfolgen würde, denn meine Natur neigte mich zum Schweigen und trieb mich zur Regelmäßigkeit und zur Beständigkeit in meiner geistigen Arbeit. Ich wünschte auch, mir Zeit zu nehmen, um mich auf diese Verantwortung vorzubereiten, und ich empfand eine große Furcht, nicht gewachsen zu sein. So blieb ich fast drei Jahre nach seinem Tod schweigend, und ich sah in mir keine Eignung zu erziehen. Ich sah nicht in mir jenes Vertrauen, das er in mir gesehen hatte. Im Gegenteil, ich sah mich als den Schwächsten seiner Schüler und den Bedürftigsten nach Barmherzigkeit und Gnade: Doch Gott hat die Dinge so gewollt; der Diener Gottes muss wissen, dass der göttliche Wille stärker ist als sein Wille und dass eine andere Kraft als die seine ihn führt. Einer der Gründe, die mich zwangen zu reagieren und 1960 meine Verantwortung zu übernehmen, liegt darin, dass ich bei einer Dhikr-Versammlung Zeuge von Dingen wurde, die nicht geschehen wären, wenn Sidi Abou Madyan noch gelebt hätte. In diesem Moment spürte ich voll die Verantwortung, die ich zu tragen hatte, und ich verstand, dass ich vor Gott für alles gerichtet werden würde, was zum Bereich der geistigen Erziehung gehörte, denn ich hatte bis dahin gewisse Dinge geduldet, ohne zu versuchen, sie zu berichtigen. Ich willigte dann ein, die Praxis des Dhikr und des höchsten Namens zu erlauben und danach das geistige Testament Sidi Abou Madyans bekannt zu machen. Da wurde „die Sache“ vor aller Welt offenbart.

Der Dhikr, Weg der Gnade

Gott hat sich euer und unser erbarmt, und wir waren nicht gezwungen, es den alten Schülern gleichzutun, deren Willen stark und deren erschöpfende Anstrengungen auf dem Sieg über die nafs begründet waren. Gott kennt unsere Schwächen und die Menge unserer Beschäftigungen in dieser Epoche; Er hat uns die Gnade erwiesen, alles im Dhikr zusammenzufassen und in den Gebeten vorzüglich zu sein, denn viel Dhikr zu üben, alle religiösen Pflichten zu erfüllen und an den von der Scharīʿa vorgeschriebenen Grenzen innezuhalten hilft, das Herz zu reinigen, die Tyrannei der nafs zu besiegen und ihren Schleier abzunehmen. Das ist es, was Sidi Abou Madyan geraten hatte (die Gnade Gottes sei auf ihm). Einmal hatte er mich gesehen, wie ich mich abmühte und mehr tat, als ich konnte: Er verbot es mir mit den Worten: „Wir sind durch das Tor der Majestät eingetreten und haben uns ermüdet, du bist durch das Tor der Gnade und der Schönheit eingetreten, also halte nicht inne“. So standen die Dinge. Man ließ den Weg der Kraft und der Einsamkeit beiseite und ersetzte ihn durch den Weg des Dhikr und der Versammlung. Alles ist sehr gut gegangen, Gott sei Dank. In sehr kurzer Zeit hat dieser Weg Gottes das Herz der Schüler erhellt, die eine rechte Absicht und edle Ziele hatten: Sie haben ihre Absichten nicht durch persönliche Interessen oder weltliche Zwecke getrübt. Gott anzurufen und sich dafür zu versammeln ist im Islam nichts Neues. Es ist etwas, das der Koran in allen Lagen und in allen Zuständen empfiehlt (Trauer usw.). Der Dhikr geschieht mit der Zunge, mit dem Herzen oder innerlich, indem man sich müht, Seine Gegenwart nicht zu vergessen. Gott hat gesagt: „Die, die vergessen, Gott anzurufen, werden den Satan zum Gefährten haben“.

Gott hat gesagt: „Gehorche nicht denen, deren Herz es vergisst, Unser zu gedenken, und die ihren Begierden folgen, denn ihre Sache ist verloren“.

Er hat gesagt: „In der Schöpfung der Himmel und der Erde und in der Aufeinanderfolge von Tag und Nacht sind Zeichen für die, die zu sehen verstehen, die Gott im Stehen, Sitzen und Liegen anrufen und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken“.

Gott hat gesagt: „Männer, die weder Handel noch Tausch vom Gedenken Gottes abhalten“.

Er hat weiter gesagt: „Ihr habt im Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) ein vortreffliches Vorbild für die, die an Gott glauben, an das Jüngste Gericht und die Seiner viel gedenken“.

Ebenso finden sich in der Sunna Empfehlungen, Gott anzurufen, allein, in der Gruppe, im Stillen oder laut.

Der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) hat gesagt: „Gott hat gesagt: Ich höre auf Meinen Diener, wenn er Mich anruft. Ruft er Mich in sich an, so rufe Ich ihn in Mir an. Ruft er Mich in einer Versammlung an, so rufe Ich ihn in einer besseren Versammlung an.“

Der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) hat gesagt: „Gott hat eine Schar von Engeln, die über den Dhikr-Versammlungen auf Erden Halt machen; genießt die Gärten des Paradieses! Man fragte: o Prophet (Friede und Segen seien auf ihm), was sind die Gärten des Paradieses? Er antwortete: Es sind die Dhikr-Versammlungen; kommt und geht im Dhikr Gottes!“

Der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) hat gesagt: „Alle, die Gott anrufen, sind von Engeln umringt, von Gnade umhüllt, der Frieden wird auf sie herabsteigen, und Gott wird ihrer gedenken“. Wie ihr seht, empfehlen Koran und Sunna, Gott anzurufen, sich für Ihn zu versammeln und Ihn zu lieben. Gibt es in diesem Weg ein Geheimnis zu erlernen, zu welcher Epoche auch immer, so liegt es in der Aufrichtigkeit und der Treue, denn Gott schaut nicht auf die Erscheinung Seines Dieners, noch auf seine Taten noch auf seine Worte, sondern Er schaut vielmehr auf sein Herz und seine Absicht. Durch den Dhikr bereitet sich das Herz darauf vor, die Wahrheit zu schauen. Die Wahrheit ist nicht außerhalb von uns, sie ist nicht in den Büchern, sondern sie ist in uns, und Gott äußert Sich durch unsere Herzen. Immer wieder stellen sich Zeichen ein, und wenn wir unsere Herzen darauf vorbereitet haben, sie mit dem Auge der Wahrheit zu verstehen, schreiten wir auf dem Weg fort. Sind wir nicht vorbereitet, so wird uns Gott in Seiner Barmherzigkeit neue Zeichen geben. Zum Beispiel im Fall einer Prüfung: Solange man nicht vorbereitet ist, sie zu verstehen, dauert sie an; Gott gibt uns Zeichen, die wir nicht sehen, wir verlieren Zeit und schreiten nicht zum inneren Frieden fort.

Frage: „Was geschieht, wenn man aufhört, zu den Versammlungen zu gehen, und wenn man die Praxis des Dhikr einstellt? Kann man Probleme bekommen?“ Antwort: „Das Einzige, was dir zustoßen wird, ist, dass du nicht fortschreitest; nichts kann geschehen, wenn du dein Herz nicht öffnest, du verlierst deine Zeit“.

Die Scharīʿa, Rahmen des Weges

Das Leben ist eine Folge von Zeichen. Gott (erhaben sei Er) sucht nur, uns in Seiner Barmherzigkeit zu Ihm zu bringen. Wir sind es, die Seine Zeichen nicht zu lesen verstehen. Die Prüfungen, die wir haben, ebenso wie die Wohltaten, die wir empfangen, sind Zeichen, und wir müssen versuchen, in ihnen Gott zu sehen. Das einzige Mittel, Seine Zeichen zu verstehen, ist, unser Herz zu öffnen, und das einzige Mittel, unser Herz zu öffnen, ist, uns unserem Meister zuzuwenden und den Dhikr „lā ilāha illā Llāh“ zu üben. Dieses Bekenntnis der Einheit Gottes erlaubt uns allmählich, Ihn in allen Dingen zu schauen, zu suchen, unser Leben im Verhältnis zu dieser Suche nach Gott zu verstehen, Ihn zu erkennen. Und Er ist in allen Dingen, in jeder Handlung: wenn man sein Kind wiegt, wenn man zu essen bereitet, wenn man für den Frieden handelt, für das Wohl der anderen; doch der Dhikr ist unerlässlich, er ist die Quelle, die uns nährt und uns aus unserem egoistischen Bewusstseinszustand zu einem Zustand erhebt, der uns transzendiert. Im Weg genügt es nicht, Ratschläge zu erteilen oder sich zu rühmen, sie angewandt zu haben, sondern diese Ratschläge und diese Handlungen müssen sich in der nafs stabilisieren. Früher sagte man: „Die (innere) Rechtschaffenheit ist besser als tausend Würden“. Man fragte eines Tages einen Gotteserkenner, aus welchem Grund sich gewisse Schüler von ihm getrennt hatten, und er antwortete: „Mein Herz hängt an der Scharīʿa, und wer die Scharīʿa nicht achtet, trennt sich von mir“. Die Prinzipien des Gesetzes sind, Gott sei Dank, einfach: Man findet ihren Ursprung im Koran und in der Sunna. Die Regeln sind in den Büchern der Theologie festgehalten, und ein gutes Beispiel davon findet man im Wirken der Gottesleute, in ihren Worten, ihren Taten und ihrem Verhalten.

Die Scharīʿa bildet das Beste für den Menschen, und die Sunna des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) ist der beste Führer.

Gott hat gesagt: „Alles, was der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) euch gebracht hat, nehmt es, und alles, was Er euch verboten hat, tut es nicht“.

Der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) hat gesagt: „Ich habe euch auf einem großen weißen Weg gelassen, bei Nacht wie bei Tag: Es ist das Buch Gottes und die Sunna des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm). Davon trennen sich nur die Irregehenden.“

So könnte mein Testament sich sehr wohl darauf beschränken, euch anzuzeigen, was der Islam uns empfohlen und was der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) geraten hat. Aus juristischer Sicht ist man für den Irrtum oder die Vergehen eines anderen nur in dem Maß verantwortlich, in dem man ihm hätte helfen und ihm hätte raten können. Das Schicksal der ganzen Schöpfung liegt in den Händen des Schöpfers, und Er ist es, der richten wird. Wenn Er es wünscht, wird Er in Seiner Güte vergeben, oder Er wird strafen. Wie dem auch sei, der beste Zustand für einen Gläubigen ist der, in dem er (geistig) rein und redlich arbeitet, ohne sein persönliches Interesse zu suchen. (…)

Ein Hadith sagt: „Die Herzen der Diener liegen zwischen den zwei Fingern Gottes; Er wendet sie, wie Er will“. In einem seiner Gebete pflegte der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) zu sagen: „O Gott, Du, der Du die Herzen wendest, befestige das meine auf Deiner Religion!“.

So können also weder ein Grad der Erkenntnis noch eine Wissenschaft das von Gott von Ewigkeit festgelegte Schicksal ändern. Welches auch der Grad der Erhebung eines Wesens sei, er wird winzig erscheinen gegenüber der Größe des Standes des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm).

Ein Hadith sagt: „Bei Gott, ich weiß nicht, was Gott aus mir machen wird, noch was Er aus euch machen wird, außer wenn Er mich mit Seiner Gnade umhüllt“. Vielleicht ist es dieser Hadith, den S. Omar behielt und der ihn die berühmten Worte aussprechen ließ, die man wohl kennt: „Gott gebe, dass die Mutter Omars ihn nicht zur Welt gebracht hätte und dass er weder das Dasein noch die Menschen gesehen hätte!“ (Beispiel ehrfürchtiger Scheu). (…)

Man hat euch geraten, viel Dhikr zu üben, denn das reinigt das Herz und gewährleistet „das Leben und seinen Abend“. Welches Heilmittel außer dem Dhikr könnte einem Herz nützen, dessen Seiten verdunkelt und dessen Spiegel befleckt ist? Und welche Medizin außer dem Dhikr kann dem Inneren des Wesens seine Reinheit und seine Stabilität wiedergeben? Jedes Ding hat ein Heilmittel, und das Heilmittel der Herzen ist die Anrufung (lā ilāha illā Llāh). Der Dhikr beeinflusst die Seele und wirkt auf die Sinne, er erlaubt dem Gläubigen, ein „gutes Leben“ zu leben und mit einem besseren Verhalten ausgestattet zu sein. Der Dhikr des Herzens hält fern von jeder weltlichen Sorge und von den Abweichungen, ebenso von vielen Dingen, die nicht dem Grad der aufrichtigen Gläubigen entsprechen. Gott hat gesagt: „Sind die, die tot waren und die Wir wiederbelebten und denen Wir ein Licht gaben, um unter den Menschen zu gehen, denen gleich, die in der Finsternis sind und nicht aus ihr herauskommen werden?“.

Die Versammlungen und die Gemeinschaft

Wenn der Dhikr von einem reinen Herzen ausgeht, das vom Licht des Glaubens erhellt ist, wird der Satan seinen Weg meiden. All die göttlichen Geheimnisse und Lichter, die das Herz des Schülers treffen und ihm manchmal auf evidente Weise und in verschiedenen Formen erscheinen, haben die Aufgabe, ihn anzuspornen, in seinem Gehen auszuharren, und seinen Durst nach Gotteserkenntnis zu mehren. Dennoch darf man sich nicht darum kümmern, denn alles, was in der Welt des Geistes geschieht, liegt weit über den Fähigkeiten des menschlichen Verstandes. Nach dem Hadith: „Sprecht zu den Menschen nach dem Maß ihrer Fassungskraft, wolltet ihr Gott und Seinen Propheten Lügen strafen?“. So muss der vernünftige Schüler sich diesen Geheimnissen gegenüber gut verhalten, wenn er beginnt, sie zu erahnen. Er muss Wachsamkeit beweisen, ihre Bedeutung relativieren und sein Bestes tun, um sich zu beherrschen, sodass er nicht aus den zu beachtenden Grenzen hinausgeht, vor allem in religiösen Dingen. Die vollkommene Aufrichtigkeit ist verwirklicht, wenn die äußeren Zustände in vollkommener Übereinstimmung mit den inneren Zuständen sind und wenn jedes äußere Empfinden aus einem inneren Empfinden geboren wird. Auf diesem Punkt hat die Erziehung Sidi Abou Madyans, die Gnade Gottes sei auf ihm, hervorgetan. (…)

Was die ʿImāra betrifft (die unwillkürliche körperliche Regung beim Dhikr), so bildet sie kein Ziel an sich. Man darf nicht arbeiten, um sie zu erlangen, und sie ist nur jenen erlaubt, die ihre Gefühle, ihre Gelüste und ihre Zustände nicht mehr beherrschen können, wenn sie den Dhikr oder die Lesung des Korans hören und wenn sich ihre inneren Zustände nach außen auswirken, ohne dass sie es gewollt hätten. Man muss den lassen, der sich in diesem Zustand befindet (das ist seine Sache), bis er zu sich zurückkehrt und seine innere Stabilität wiederfindet. Es bleibt, dass die Unterscheidung klar ist, je nachdem ob Gott die Ursache dieser äußeren Manifestation ist oder ob der Schüler sie auf künstliche Weise hervorruft.

Ich rate euch ebenfalls, vielen Versammlungen beizuwohnen, denn es gibt keine Erziehung ohne Gemeinschaft, ohne Liebe und ohne Umgang mit den Brüdern. Dank der Regelmäßigkeit beim Besuch der Versammlungen übertragen sich die Reinheit und das Leben zwischen den Brüdern. Es ist dann möglich, seine nafs zu besiegen und sein Verhalten zu verbessern. Man kann ebenfalls die Gewohnheiten brechen und dem entkommen, was uns verloren hätte, um Eigenschaften und Gewohnheiten zu erwerben, die zum Glück und zur Reinheit führen. Ihr habt unter euch junge Leute gekannt, deren Leben sich verdunkelt hatte: Sie sahen nichts Positives, und die Hölle der Abweichung war in ihr Herz herabgestiegen. Obwohl sehr weit, war das Leben in ihren Augen eng geworden. Dann (dank des Weges) sind ihre Leben heller geworden, und der Nektar der Ruhe und des Friedens hat sich auf ihr Herz gelegt. Sie haben die Wohltaten des Glaubens und den Frieden der Seele gekostet, ohne die jedes Glück unmöglich ist. Das ist die Wahrheit, die der Mensch in sich entdeckt, das ist die Gnade Gottes, wenn sie die Herzen berührt, die dieses Glück hervorruft und dafür sorgt, dass man in der Welt nur Reinheit und Freude sieht, trotz allem, was sie an Lastern enthält. Ebenso wird der Zorn Gottes, wenn er herabsteigt, zu einer unerträglichen Hölle. Die Dhikr-Versammlungen führen zu dieser Heiligkeit, wenn sie rein von jedem persönlichen oder weltlichen Interesse sind sowie von jedem Laster, denn das Licht des Glaubens ist ein gut verborgenes Geheimnis, das nur den reinen und aufrichtigen Herzen übertragen wird. Dadurch werdet ihr lernen, jedes Ding an seinen Platz zu setzen, und ihr werdet verstehen, dass alles, was von Gott entfernt und berufliche oder weltliche Sorgen in die Versammlungen einzuführen trachtet, ein Hindernis ist, auf das man achten muss. In den Versammlungen empfängt der faqīr nur nach der Reinheit seiner Absicht, und nicht mehr; wer zu den Versammlungen kommt, um Geschäfte zu machen oder aus persönlichem Interesse, hat dort verloren, wo die Menschen gewinnen. Wer sein Herz von allem Interesse geleert hat und sich darauf eingestellt hat, den geistigen Einfluss zu empfangen, wird finden, was er sucht, und er hat dort Erfolg, wo viele Menschen verlieren. Der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) hat gesagt: „Jedem nach seiner Absicht: Wer zu Gott und Seinem Gesandten auswandert, der wandert wahrhaft zu Ihnen aus, und wer auswandert, um eine Sache dieser Welt zu erwerben oder eine Frau zu heiraten, der wandert nur dafür aus“. Meine Kinder, meine Brüder in Gott, das sind also meine Ratschläge. Wisset, dass ich, wenn ich euch etwas empfehle, der Erste bin, der es in die Praxis umsetzt, denn Gott wird mich über Worte befragen, die ich nicht gedacht habe, oder über Empfehlungen, die ich nicht angewandt habe. Wisset, dass der, der die 80 Jahre überschritten hat, der Gesundheit und Augenlicht wegen seines vorgerückten Alters verloren hat, nichts an Berühmtheit braucht, nichts an Geld, nichts an irgendeiner Sache dieser Welt, die ihn davon abhalten würde, die Wahrheit zu sagen. Aus diesem Grund rate ich euch, meine Weisungen anzuwenden. Der beste Rat, den ich euch gebe, da ich an der Schwelle des Grabes stehe, ist, allezeit auf Gott zu zählen, in allen euren Zuständen, zu praktizieren, bevor ihr sprecht, und mit Gott aufrichtig zu sein in dem, was eure geistige Praxis und eure Worte angeht. Führt in Aufrichtigkeit, Treue und Armut die Diener Gottes zu der Religion, die Er uns gegeben hat. „Preis sei Ihm, Er kennt die, die sich zu Ihm begeben, und die, die sich anderswohin begeben“.

Die Aufrichtigkeit, Beweis des Weges

Eure Beziehungen und eure (geistigen) Arbeiten müssen begründet sein auf die aufrichtigen Ratschläge füreinander, die Beratung, die Reinheit und das Verlangen nach dem Guten. Der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) hat gesagt: „Das traditionelle Leben, das ist der aufrichtige Rat. Gegenüber wem, o Gesandter Gottes? fragten ihn die Gefährten. Gegenüber Gott, gegenüber Seinem Gesandten, gegenüber den Imamen und gegenüber den Gläubigen, ob sie von hohem oder niederem Rang sind“. Gebt acht, dass der Satan euch nicht vom Weg Gottes abdriften und von den Fuqarāʾ entfernen lasse. Die Gottesleute haben die Erfahrung davon gemacht: Die Aufrichtigkeit auf dem Weg vertreibt die Unreinheiten, wie der Blasebalg die Unreinheiten aus dem Feuer treibt. Der göttliche Wille ist, dass diese Geheimnisse nur denen offenbart werden, die einen rechten Entschluss, eine aufrichtige Absicht haben und die nur in den Weg kommen, um ihre Seele zu heilen. Gott hat gesagt: „Gott weiß, ob ihr Gutes in euren Herzen habt, und Er wird euch davon mehr geben“.

Meine Kinder, meine Brüder in Gott, arbeitet an dem, was gesagt wurde, und betet Gott in diesem Sinn. Wisset, dass die Aufrichtigkeit gegenüber Gott und Seinen Dienern eine unverzichtbare Eigenschaft ist. Sie ist die Grundlage der Suche nach Gott und des Gehens zu Seiner Religion. Der Beweis der Aufrichtigkeit liegt darin, dass das Äußere mit dem Inneren übereinstimmt und dass die Worte mit den Taten übereinstimmen. Gott hat gesagt: „O ihr, die ihr glaubt, glaubt an Gott und seid mit den Aufrichtigen“. Die Vermittlung des Weges muss, statt durch Worte zu gelingen, zuerst durch Taten gelingen: eine gute Lebensweise und ein gutes Verhalten. Die, die in Aufrichtigkeit zu Gott ermahnen, tun es durch ihre Arbeit und durch eine gute Lebensweise, bevor sie es mit ihren Ratschlägen und ihren Worten tun. Denn es gibt keinen Islam ohne Arbeit an sich und ohne ein gutes Verhalten, in dem man sich müht, die Lebensweise des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) und seiner Gefährten nachzuahmen. Das ist der heilige Krieg der Muslime, denn der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) hat gesagt: „Die letzten Gemeinschaften werden von derselben Fürsorge umgeben sein wie die ersten“. Ja, die Aufrichtigkeit ist ein Pfand, das dem Hals jedes Gläubigen umgehängt ist, und die in Aufrichtigkeit vollzogene Suche nach Gott sowie die Beachtung der Weisungen der Scharīʿa sind Bedingungen, so ewig wie die Himmel und die Erde. Jeder Diener Gottes, der den Vorschriften des Korans und der Sunna unseres Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) folgen will, ist mit dieser Verantwortung beauftragt.

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