Worte von Moulāy al-ʿArabī ad-Darqāwī: Sufi-Zitate

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Moulāy al-ʿArabī ad-Darqāwī (gest. 1823) erneuerte den marokkanischen Sufismus und begründete die Darqāwiyya, einen Zweig der Šāḏiliyya. Aus ihr gingen zahlreiche Meister des 19. Jahrhunderts hervor, darunter al-ʿAmrānī und al-Būzīdī, die Meister Ibn ʿAjības.

al-ʿArabi ad-Darqawi: Gott gedenkt nicht, wer sich selbst nicht vergisst

Ein anderer Bruder fragte mich: „Wie heilt man die Seele (an-nafs)?“ Ich antwortete ihm: „Vergiss sie und denke nicht an sie; denn Gott gedenkt nicht, wer seine Seele nicht vergisst (oder: wer sich selbst nicht vergisst). Wie könnt ihr begreifen, dass es nicht das Dasein der Welt ist, das uns unseren Herrn vergessen lässt: Was uns Ihn vergessen lässt, ist das Dasein unserer selbst, unseres Ego. Nichts verhüllt Ihn uns außer der Tatsache, dass wir uns nicht mit dem Dasein als solchem beschäftigen, sondern mit unseren Begierden. Könnten wir unser eigenes Dasein vergessen, fänden wir den, der der Ursprung alles Daseins ist, und wir sähen zugleich, dass wir überhaupt nicht existieren. Wie könnt ihr euch vorstellen, dass der Mensch das Bewusstsein der Welt verlieren könnte, ohne das seines Egos zu verlieren? Das wird niemals geschehen.“

al-ʿArabi ad-Darqawi: ermahne sie zum Gedenken (dhikr)

… Eines Tages, als ich in eine äußerste geistige Trunkenheit und zugleich in eine äußerste Nüchternheit versenkt war, hörte ich plötzlich dieses Wort aus dem Tiefsten meines Wesens hervorbrechen: „Ermahne sie zum Gedenken, denn das Gedenken nützt den Gläubigen!“ (Koran 51, 55)

ad-Darqawi: töte dein Ego (nafs)

Einer unserer Brüder klagte bei uns über einen Unterdrücker, der ihn verfolgte. Wir antworteten ihm: „Wenn du den töten willst, der dich unterdrückt, so töte dein Ego (nafs), denn indem du es tötest, tötest du alle Unterdrücker.“

al-ʿArabi ad-Darqawi

Das Gedenken besteht nicht darin, unablässig Allah, Allah zu sagen, zu beten und zu fasten, und sobald ein Unglück zuschlägt, sucht der Mensch rechts und links nach Heilmitteln und verzweifelt, keine zu finden. Bei denen, die die Wahrheit verwirklicht haben, verlangt das Gedenken, dass sich der Gedenkende streng an die vorgeschriebenen Gesetze hält, deren wichtigstes das Aufgeben dessen ist, was ihn nichts angeht.

al-ʿArabi ad-Darqawi: außer Allah gibt es kein Seiendes

Außer Gott, erhaben ist Er, gibt es kein Seiendes (mawǧūd): „Alles ist vergänglich außer Seinem Antlitz“ (Koran 28, 88), „Alles auf der Erde vergeht; nur das Antlitz deines Herrn, Inhaber der Majestät und der Freigebigkeit, bleibt bestehen“ (Koran 55, 26-27), „Das ist Allah, euer Herr; was bleibt nach der Wahrheit übrig als der Irrtum?“ (Koran 10, 32), „Dies ist so, weil Allah die Wahrheit ist und was sie außer Ihm anrufen, das Nichtige ist“ (Koran 22, 62), „Sprich: Die Wahrheit ist gekommen, und das Nichtige ist verschwunden; wahrlich, das Nichtige ist dazu bestimmt zu verschwinden“ (Koran 17, 81), „Sprich: Allah, und lass sie dann in ihrem eitlen Geschwätz spielen“ (Koran 6, 91).

al-ʿArabi ad-Darqawi: wenn du lauter gegenüber deinem Schöpfer handelst

Unser Meister (Gott sei mit ihm zufrieden) pflegte zu sagen: Wenn dein Herz sich der Geschöpfe entledigt, füllt es sich mit dem Sein, und von da an erwächst die Liebe zwischen dir und den anderen. Handelst du lauter gegenüber deinem Schöpfer, werden dir alle Geschöpfe ihr Wohlwollen bekunden.

al-ʿArabi ad-Darqawi: für Gott gibt es keinen Ersatz

Wer sich im Tausch mit irgendjemandem oder irgendetwas anderem als Dir zufriedengibt, geht zugrunde. Wer sich dem zuwendet, was fern von Dir ist, verliert sich. Alles, was du verlässt, kann ersetzt werden, doch für Gott gibt es, wenn du Ihn verlässt, keinen Ersatz.

al-ʿArabi ad-Darqawi: erwähnt die Menschen nur im Guten

Ich sagte auch zu einem gewissen Bruder: Schlage weder Juden noch Christen noch Muslime, sondern schlage deine eigene Seele (nafs) und höre nicht auf, sie zu schlagen, bis sie stirbt … Und erwähnt die Menschen nur im Guten, denn „wer den Menschen gegenüber undankbar ist, ist Gott gegenüber undankbar“, wie der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) sagte.

al-ʿArabi ad-Darqawi: das Herz, leer von aller Weltenliebe

Bemüht euch also, Gott sei euch barmherzig, um das, was euer Ego tötet und euer Herz lebendig macht. Die Wurzel aller Tugenden als Tugend ist, dass das Herz leer ist von aller Liebe zur Welt, ebenso wie die Wurzel aller Laster als Laster die Liebe zur Welt ist, die das Herz erfüllt.

al-ʿArabi ad-Darqawi: Welches seltsame Ding ist das Herz …

Nähre nicht alles, was in deinem Herzen geboren wird, sondern weise es weit von dir und sorge dich nicht, es großzuziehen, indem du deinen Herrn vergisst, wie es die meisten Menschen tun, sodass sie irregehen, umherwandern und sich in einem Trugbild verlieren. Verstünden sie es, sie würden sagen: Welch seltsames Ding ist das Herz! In einem Augenblick gebiert es unzählige Söhne, die einen rechtmäßig, die anderen unehelich und wieder andere, von denen man nicht weiß, wie sie sind. Wie könnte wohl einer, der sich damit abgibt, all diese Söhne zu nähren, für seinen Herrn verfügbar sein? Welch ein Jammer ist der Sohn Adams! Er löscht den Kosmos aus, bis keine Spur mehr von ihm bleibt. Der Kosmos wird ihn seinerseits auslöschen, bis keine Spur mehr von ihm bleibt außer ein wenig Duft, der in einem kurzen Augenblick verfliegt.

al-ʿArabi ad-Darqawi: Sprich Allah, und du wirst Wunder erleben

Einer unserer Brüder sagte zu mir: Ich bin nichts. Ich antwortete ihm: Sag nicht „ich bin nichts“ und sag auch nicht „ich bin etwas“. Sag nicht „ich brauche das und das“ und sag auch nicht „ich brauche nichts“. Sondern sprich: Allah! und du wirst Wunder erleben.