Worte von Sidi Hamza über das Schreiten und das Herz

Eine Sammlung von Worten von Sidi Hamza, möge Gott sein Geheimnis heiligen, über das geistige Schreiten, die Läuterung des Blicks und die Wachsamkeit des Herzens.
- An dem Tag, an dem Gott Seinen Diener von Seinen Gnaden profitieren lassen will, lässt Er einen Hauch der Liebe in sein Herz eindringen. So spürt der Diener, obwohl er in die Angelegenheiten dieser Welt verstrickt ist, fortwährend den Geschmack seines Herrn. Auch die Propheten arbeiteten wie wir, doch ihre Arbeit beherrschte nicht ihr Herz, das fest an Gott gebunden blieb.
- Der Fehler und die Hässlichkeit liegen nicht in den Dingen und den Wesen, sondern in der Unreinheit unseres Blicks auf sie. Je besänftigter, vollkommener und reiner die Seele ist, desto mehr wird sie geneigt sein, in jedem Wesen eine Manifestation des göttlichen Lichts zu sehen: Alles ist schön, nur das unpolierte Herz des Schülers macht die Dinge hässlich.
- Das göttliche Licht kreist um das Herz des Schülers. Damit ein Flugzeug landen kann, muss die Landebahn vollständig frei sein. Ebenso findet das Licht, wenn unser Herz voller Begierden oder Leidenschaften ist, keinen Ort, wo es sich niederlassen kann.
- Wenn ein Imker eine Bienenschar sieht, bringt er einen Kasten, in den er süße und duftende Dinge legt. Wenn die Bienen diesen Duft riechen, ziehen sie in diesen Stock ein. Wenn den Bienen dieser bereitete Ort gefällt und zusagt, lassen sie sich dort nieder. Im anderen Fall bleiben sie nur ein oder zwei Tage und ziehen danach fort. Dasselbe Phänomen ereignet sich mit dem göttlichen Geheimnis: Findet es den Behälter des Herzens rein und duftend vor, wird es dort dauerhaft bleiben und einen göttlichen Honig erzeugen.
- Man muss sich vor dem bloßen mentalen Verstehen hüten. Es gibt einen sensiblen Verstand und einen leuchtenden Verstand. Der sensible Verstand hat eine Grenze. Um sie zu übersteigen, muss man an sich arbeiten und die Männer Gottes frequentieren. Nur Gott kann den sensiblen Verstand in einen leuchtenden Verstand verwandeln, einen Verstand, der vom Licht des Herzens erhellt ist.
- Wer keine reine Absicht (niyya) hat, wird nicht fortschreiten, selbst wenn er sein Leben lang in der Gemeinschaft des Propheten bleibt (Friede und Heil auf ihm).
- Dieser Weg ist der Weg Gottes: Meidet jeden Hass und jede Form der Zwietracht, Gott besucht kein hasserfülltes Herz. Die Konflikte zwischen den verschiedenen ethnischen oder religiösen Gemeinschaften hängen mit der Vergangenheit zusammen, und wir dürfen davon nicht betroffen sein.
- Begehrt nicht die geistigen Zustände, die Ekstasen, die Öffnung oder die Schauungen! Begehrt nur die Erkenntnis Gottes. Das Begehren der aḥwāl (geistigen Zustände) und der Schauungen kann uns von dieser Erkenntnis verschleiern.
- Man darf nicht die Fehler des anderen hervorheben und sich in Kritik und Urteil hineinziehen lassen. Sonst vergisst man schließlich die eigenen Fehler. Wie könnte ein Kranker einem anderen Kranken vorwerfen, nicht gesund zu sein? Es ist daher wichtig, die anderen in einem guten Licht zu sehen. Betrachtet eure Brüder als vollkommen, allein schon weil sie mit dem Weg verbunden sind. Nach und nach werdet ihr erkennen, dass es die ganze göttliche Schöpfung ist, die vollkommen ist. Wer einen Fehler im anderen sieht, sieht in Wahrheit nur einen seiner eigenen Fehler. Seid die Hüter eures Herzens und macht es rein und lauter wie eine Gebetsstätte!
- Die Dankbarkeit und die Erkenntlichkeit fesseln die Gnade.
- Wer gibt und es sagt, ist schlimmer als der, der nichts getan hat. Sich zu rühmen bedeutet, alle Früchte der Gabe zu vernichten.
- Sucht nicht die Wahrheit, sucht zuerst, euch zu läutern.
- Das innere Fortschreiten muss nach außen hinstrahlen, auf das Verhalten.
- Das Ego (nafs) lehnt oft ab, was man ihm auferlegt, und beginnt dann Einflüsterungen auszustoßen, um weiterzugehen in dem, was es zufriedenstellen kann. Der Weg hat die gegenteilige Wirkung: Wenn uns etwas zum Weltlichen hinzieht, hindert der Weg uns daran, diesem Ruf zu folgen. Auf dem Weg muss man vermeiden, sich an dem einen oder anderen Fixpunkt festzufahren, und es ist besser, die Ereignisse durch den Willen Gottes von selbst gehen zu lassen, indem man fest in seinen Praktiken verankert bleibt.
- Jeder muss über sein Herz wachen. Jede Einflüsterung muss zurückgewiesen werden. Man muss das Ungesunde in sich zurückweisen und versuchen, sich für alle göttlichen Gnaden zu öffnen, für das, was positiv ist und das Schreiten und den Fortschritt fördert. Doch wie weist man die negativen Einflüsterungen zurück? Wenn man sie kommen fühlt, muss man seinem Ego sagen, dass es im Unrecht ist und dass es selbst alle Fehler trägt und nicht die anderen: „Ich bin es, der im Unrecht ist. Wenn ich den Fehler im anderen sehe, so deshalb, weil er in mir ist, sonst hätte ich ihn nicht gesehen!“.



