Das Gebet auf den Propheten (2): die verbundenen Gnaden und die ṣalāt ibrāhīmiyya

Inhalt
Die Kuppel von Medina

Fortsetzung des Artikels „Das Gebet auf den Propheten (1)“.

Ṣalāt und salām: Segen und Friede

Das Gebet auf den Propheten umfasst zugleich die „ṣalāt” (Anrufung des Segens) und den „salām” (Anrufung des Friedens).

„Ṣalāt” bedeutet Theophanie (taǧallī). Die „ṣalāt” ereignet sich, wenn Gott Sich einem Seiner Diener offenbart, indem Er ihn zu Seinem Erwählten macht und ihn in Seine Gegenwart (ḥaḍra) eintreten lässt. Was den „salām” betrifft, der von Seiten Gottes auf Seine Diener kommt, so bedeutet er die Standfestigkeit in dieser Theophanie, die Fähigkeit, sie zu integrieren. So darf der Mensch Gott nicht um die „ṣalāt” allein bitten, sondern er muss den „salām” hinzufügen.

Es kommt im Übrigen vor, dass Gott die der ṣalāt eigene Theophanie über eine gewisse Zahl Seiner Diener vollbringt und dass Er die friedvolle Gnade des „salām” hinausschiebt: Dann kann sich der theophanische Akt gegen sie wenden, indem er sie dazu bringt, Ausrufe hervorzustoßen und Lehren vor Menschen preiszugeben, die nicht befähigt sind, sie zu empfangen.

Aber es gibt Heilige, auf die Gott die „ṣalāt” vom „salām” folgen lässt: Dann wird ihr Verhalten normal, und ihre äußere Beziehung zu den Geschöpfen und ihre innere Beziehung zu Gott stimmen überein, indem sie die beiden jeweiligen Dimensionen verbinden. Diese sind die Erben der Propheten; es ist nämlich ein Vorrecht der Propheten, dass die friedvolle Gnade Gottes zugleich mit der theophanischen Gnade oder unmittelbar nach ihr auf sie herabsteigt.

Der Dhikr der Engel am Rand des Paradieses

Im Werk Paroles d’or erklärt der Scheich ʿAbd al-ʿAzīz ad-Dabbāgh, der Pol seiner Zeit, dass das Gebet auf den Gesandten Gottes, Friede und Segen seien auf ihm, den Dhikr der Engel bildet, die sich am Rand des Paradieses befinden. Jedes Mal, wenn die Engel dieses Gebet sprechen, vergrößert sich die Fläche des Paradieses. Die betreffenden Engel hören nicht auf, es auszusprechen, und das Paradies hört nicht auf, sich auszudehnen. Dasselbe geschieht, wenn das Gebet auf den Propheten von einem reinen Wesen mit reinem Herzen ausgeht.

Ibn al-Mubārak, der Autor von Paroles d’or, fragt seinen Scheich ʿAbd al-ʿAzīz ad-Dabbāgh: „Warum vergrößert sich die Fläche des Paradieses jedes Mal, wenn man auf den Propheten betet, Friede und Segen seien auf ihm?“. „Das ist so, weil Gott das Paradies ursprünglich aus einem Licht erschaffen hat, das von Seinem Gesandten ausgeht. So sehnt sich das Paradies mit ebenso glühender Sehnsucht und Zärtlichkeit nach ihm, wie ein Sohn sie gegenüber seinem Vater empfindet. Wenn es jemanden seinen Namen nennen hört, belebt es sich aufs Neue und strebt danach, sich ihm zu nähern, weil es der Prophet ist, Friede und Segen seien auf ihm, aus dem Gott es tränkt. So verbringen die Engel, die am Rand des Paradieses und an seinen Toren leben, ihre Zeit damit, des Propheten zu gedenken. Dann wird das Paradies gerührt und nähert sich ihnen von allen Seiten. Von da an gewinnt seine Fläche überall an Ausdehnung”.

Die dem Gebet auf den Propheten verbundenen Gnaden

Es gibt zahlreiche Hadithe, in denen der Prophet, Friede und Segen seien auf ihm, die Gläubigen über die wohltuenden Wirkungen dieser Anrufung für sie aufklärt.

Die Segnungen im Gegenzug

Das Mittel, sich Gott zu nähern

Die Erleichterung der Dinge und die Erhörung

Das Mittel der Läuterung

Die ṣalāt ibrāhīmiyya

Ihr Ursprung

Wir finden in den meisten Koranexegesen und in den Hadith-Sammlungen, dass ʿAbd ar-Raḥmān ibn Abī Laylā Ibn ʿAǧraṭa begegnete und zu ihm sagte: „Ich werde dir ein Geschenk machen, das ich vom Gesandten Gottes gelernt habe, Friede und Segen seien auf ihm”. „Gut, mach es mir”, antwortete ich ihm.

Und er fuhr fort: „Als der Vers ‘Gott und Seine Engel beten auf den Propheten…’ offenbart wurde, fragten wir den Gesandten Gottes: ‘Wir wissen, wie wir dir die Heilsgrüße darbieten müssen, aber wie sollen wir auf dich beten?’. Er antwortete: ‘Sprecht: Herr, bete auf Muhammad und auf die Familie Muhammads, wie Du auf Ibrāhīm und die Familie Ibrāhīms gebetet hast. Segne Muhammad und die Familie Muhammads, wie Du Ibrāhīm und die Familie Ibrāhīms gesegnet hast. Du bist des Lobes würdig, der Glorreiche, Erhabene’“.

Diese Anrufung gilt als die vollkommenste Formulierung unter allen anderen Anrufungen der göttlichen Gnade zugunsten des Propheten, Friede und Segen seien auf ihm. Darum wurde sie für das rituelle Gebet reserviert, im abschließenden tašahhud.

Warum Ibrāhīm und nicht Moses?

Man kann insbesondere ein Geheimnis darin erkennen, dass es heißt „wie Du auf Ibrāhīm gebetet und wie Du Ibrāhīm gesegnet hast”, und nicht etwa „wie Du auf Moses gebetet hast”: weil Gott Sich diesem unter Seinem Attribut der Majestät offenbart hatte, was ihn ohnmächtig zu Boden sinken ließ, während Gott Sich dem Freund, der Ibrāhīm war, durch Sein Attribut der Schönheit offenbarte. Das ist der Grund, weshalb der Gesandte Gottes, Friede und Segen seien auf ihm, den Gläubigen befahl, auf ihn auf dieselbe Weise zu beten, wie Gott auf Ibrāhīm gebetet hat, wobei er Gott so bat, Sich ihm durch Seine Attribute der Schönheit zu offenbaren.

Man sagte im selben Sinn auch, dass der Verweis auf Ibrāhīm und auf die gläubigen Mitglieder seiner Familie daher rührt, dass Ibrāhīm und seine Familie die einzigen sind, für die Gott den Segen und die Barmherzigkeit vereint hat. Das bestätigt der Vers der Sure Hūd: „Die Barmherzigkeit Gottes und Seine Segnungen seien auf euch, Angehörige des Hauses! Er ist wahrlich des Lobes und der Verherrlichung würdig” (11:73).

Gott offenbart Sich also durch Seine Schönheit dem einen wie dem anderen Propheten, je nach ihrer jeweiligen Stellung Ihm gegenüber, ihrem Rang und ihrem Platz, auch wenn Er Sich beiden durch dasselbe Attribut offenbart hat.

Und Gott weiß es besser.

Weiterführende Lektüre